Wolfgang Beltracchi

Wolfgang Beltracchi Interview zum Thema: Prove your Value, oder: Welchen Wert hat Kunst?

Künstler und ehemaliger Kunstfälscher

Streng genommen war Wolfgang Beltracchi gar kein Kunstfälscher. Denn Kunstfälscher fälschen – wie der Name schon sagt – Kunst. Er kopierte indes keine Bilder, sondern schuf neue Bilder in der künstlerischen Handschrift grosser Maler. Sein Purpose: Bilder schöner zu malen als die Originale. Das gelang ihm mit Erfolg und sorgte für Performance. Selbst die anerkanntesten Kunstexperten konnten die «neuen» Werke nicht als Fälschungen erkennen. Sein eigentliches Vergehen, für das er verurteilt wurde, war letztlich nicht die Fälschung von Kunst, sondern Urkundenfälschung. Denn er setzte die Namen der Maler der Originale auf seine Bilder. Weil Beltracchi die Mechanismen des Markts so intensiv studiert hatte, konnte er seine Künstlerkarriere nach seiner Haftentlassung nahtlos fortsetzen. Er stellte an der Art Basel aus, bemalte als Marketinggag einen Ford Fiesta, lieh der Schweizer Eiskunstlaufgala Art on Ice seine Bilder als Dekosujets und bereitete eine Wanderausstellung mit Gemälden vor, die grosse Künstler hätten malen sollen – hätten sie nur die günstige Gelegenheit ergriffen wie Beltracchi mit seinem Wissensvorsprung als Nachgeborener. Im Interview fühlt Moderator Rainer Maria Salzgeber dem Künstler und einstigen Kunstfälscher auf den Zahn.

Kunst hat keinen Wert, Kunst ist ja eine Fiktion. Man verkauft ein Bild für Tausend Franken oder für eine Million Franken. Niemand kann sagen, ob das Bild seinen Preis auch wert ist. Der Unterschied besteht nur darin, dass jemand bereit ist, dafür so viel Geld zu bezahlen.

Wolfgang Beltracchi wurde 1951 als Wolfgang Fischer geboren. Er flog von der Schule, brach die Kunstschule ab und führte ein Wanderleben durch Europa und Nordafrika. Über viele Jahre hinweg fälschte und erfand er Hunderte Bilder, die er an Sammler und Galeristen verkaufte – Schadenssumme rund 40 Millionen Franken. 2011 wurde er erwischt und zu fünf Jahren offenem Vollzug verurteilt. Seit seiner Entlassung malt er wieder als «regulärer» Künstler.

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